Weihnachts- und Neujahrsgruß

Veröffentlicht am 21. Dezember 2020

Liebe Voerderinnen, liebe Voerder,

das „Corona-Jahr“ 2020 war und ist unzweifelhaft außergewöhnlich und herausfordernd. Es hat uns allen erhebliche Einschnitte und Beeinträchtigungen und manchen auch persönliche Schicksalsschläge bereitet. Zwar sind nicht alle in gleichem Maße betroffen, aber die Folgewirkungen werden uns alle über viele Jahre begleiten – wirtschaftlich und auch gesellschaftlich.

Das Corona-Virus hält die Welt nun schon seit gut einem Jahr fest im Würgegriff. Wer gehofft hatte, dass nach dem ersten Lockdown und der Entspannung über die Sommermonate die Zeit bis zur Verfügbarkeit geeigneter Impfstoffe gut überbrückt werden könne, wird nun auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt. Wir verzeichnen sogar vereinzelt Infektionszahlen von deutschlandweit über 30.000 – pro Tag wohlgemerkt. Die zweite Welle trifft uns noch wuchtiger, das Virus ist außer Kontrolle geraten und bringt viele Menschen an den Rand der Leistungsfähigkeit – viele sogar darüber hinaus!

Der erneute, harte Lockdown wurde notwendig, nachdem der Teil-Lockdown im November nicht den erhofften Erfolg gebracht hatte. Erfreulicherweise werden die nun verhängten Maßnahmen vom größten Teil der Bevölkerung als notwendig erachtet und mitgetragen. 

Entscheidend für die kommenden Wochen wird sein, dass wir alle die verordneten Maßnahmen beherzigen. Nur wenn wir unsere Kontakte soweit es geht reduzieren, wenn wir uns streng an die Abstands- und Hygieneregeln halten und konsequent unsere Masken tragen, können wir die Infektionszahlen deutlich senken, um unser Gesundheitssystem vor einer Überlastung im neuen Jahr zu bewahren. Wir sind es nicht nur den Alten und Kranken schuldig, sondern auch den vielen Beschäftigten in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen!

Auch wenn nun kurzfristig die Impfungen beginnen werden, wird unsere Solidarität und Disziplin noch eine lange Zeit gefordert sein, bis ein wirksamer Schutz der gesamten Bevölkerung entsteht. Voraussetzung dafür ist aber zunächst, dass sich der größte Teil der Bevölkerung auch impfen lässt. Ich kann verstehen, dass sich Menschen Sorgen machen, ob die neuen Impfstoffe auch sicher sind und ihre Schutzwirkung entfalten. Ich vertraue aber in unser europäisches Gesundheitssystem und darauf, dass ein Impfstoff erst zugelassen wird, wenn er sicher ist. Das unterscheidet unser Gesundheitssystem von dem in einigen anderen Ländern außerhalb der EU.

An diejenigen, die sich – vielleicht beeinflusst von Querdenkern, vielleicht auch in der von außen unbeeinflussten Sorge – nicht impfen lassen wollen, richte ich den dringenden Appell, dies noch einmal zu überdenken. 

Solidarität ist gerade in diesem Jahr ein häufig beanspruchter Begriff, aber sie ist gerade bei der Impffrage die Grundvoraussetzung dafür, dass wir im kommenden Jahr wieder die so schmerzlich vermisste Normalität zurückgewinnen können. 

Damit meine ich nicht nur unsere persönlichen Freiheiten, die wir alle momentan so sehr vermissen. Solidarität heißt neben der Impfung, dass wir Verantwortung übernehmen – Verantwortung dafür, 

  • dass Geschäfte, Restaurants, Gaststätten, Sportbetriebe, Kulturschaffende und viele andere wieder Fahrt aufnehmen und in ihrer Existenz gesichert werden können, 
  • dass Menschen ihren Job behalten bzw. den bereits verlorenen zurückbekommen, 
  • dass Kinder wieder mit gleichen Chancen auf Bildung uneingeschränkt unsere Kitas und Schulen besuchen können, 
  • dass die zur Rettung ganzer Branchen notwendigen Hilfspakete nicht ins Unermessliche steigen, damit die vielen Milliarden Euro „Corona-Schulden“ unsere nachfolgenden Generationen nicht unnötig belasten, 
  • dass die Beschäftigten in allen so genannten systemrelevanten Berufsgruppen mal wieder zur Ruhe kommen können und schließlich, 
  • dass wir durch unsere Rücksichtnahme die Gesundheit oder gar das Leben anderer nicht gefährden.

Viele Menschen – auch in Voerde – beherzigen dies alles vorbildlich und leisten darüber hinaus wichtige Unterstützungsarbeit im Ehrenamt. Vielen Dank dafür!

Die aktuelle Corona-Situation zwingt uns, dass wir Weihnachten und den Jahreswechsel in anderer Form erleben werden als wir das gewohnt sind. Es ist – insbesondere für die älteren Menschen – sehr schmerzlich, dass wir Verwandte und Freunde nur sehr reduziert oder gar nicht treffen können und damit Familientraditionen durchbrechen müssen. Ich nehme wahr, dass die politisch Verantwortlichen diese Entscheidungen nicht leichtfertig getroffen haben, sondern hart gerungen wurde und am Ende nicht anders entschieden werden konnte.

Ich bitte sehr um Ihr Verständnis und hoffe auf Ihre Unterstützung. 

Die Zukunft hängt davon ab, was wir heute tun.

Mahatma Gandhi

Diese Worte von Mahatma Gandhi habe ich zum diesjährigen Leitsatz meiner Weihnachtsgrüße gewählt. Denn neben verantwortungsvollem Verhalten wird eine entscheidende Frage für die Zukunft sein, welche Schlussfolgerungen wir aus der Corona-Pandemie ziehen und welche Veränderungen wir für unser Zusammenleben im Positiven gemeinsam daraus ableiten werden.

Es liegt in unserer Hand, dass wir die positiven Dinge, wie das starke Miteinander und die Solidarität füreinander, aus dieser Krise mitnehmen und die Probleme, die durch die Pandemie zu Tage getreten sind, aufgreifen und beseitigen. 

Keiner von uns hat dafür eine „Musterlösung“ in der Schublade, aber eigentlich wissen wir bereits jetzt, worauf es ankommt: 

  • Wir müssen viele Berufsgruppen, die die Stütze unserer Gesellschaft sind und die in Krisensituationen besonders wichtig sind, nicht nur mehr wertschätzen, sondern auch personell besser ausstatten und attraktiv entlohnen. Beispielhaft nenne ich hier die Pflegeberufe in Krankenhäusern und in der Altenpflege sowie die Erzieherinnen und Erzieher in den Kitas. Allen dort Beschäftigten muten wir gerade einiges zu. Wir applaudieren und danken für deren Einsatz, aber sind wir auch bereit, diese Leistungen angemessen zu bezahlen, wenn wir die Pandemie überwunden haben?
  • Wir müssen die Vorzüge unserer Demokratie und unsere Werteorientierung stärker in den Vordergrund stellen, denn sie sind gemeinsam mit einer solidarischen Gesellschaft das Fundament für ein gedeihliches Zusammenlaben. Dazu gehört auch, dass wir nicht den Lautstarken, die nicht zur Problemlösung beitragen wollen, sondern unsere Demokratie destabilisieren wollen, die Meinungsführerschaft überlassen. Nicht das Trennende, sondern das Gemeinsame müssen wir stärken und uns darauf besinnen, wie wir nicht nur zum Wohle von uns selbst, sondern zum Wohle aller handeln.

Ich richte meinen großen Dank an all diejenigen, die sich in Beruf und Familie sowie ehrenamtlich aufopferungsvoll für andere einsetzen, obwohl sie im privaten Umfeld häufig selbst vor enormen Herausforderungen stehen. Eine Aufzählung der relevanten Gruppen birgt immer die Gefahr, dass nicht alle erwähnt werden, die es verdient haben. Dennoch nenne ich hier bewusst die vielen Beschäftigten in den Krankenhäusern und Pflegeeinrichtungen sowie in der ambulanten Pflege, die Beschäftigten im Einzelhandel und im gesamten Dienstleistungsbereich, Polizei, Feuerwehr und alle Hilfsdienste, die Erzieherinnen und Erzieher in unseren Kitas und das Lehrpersonal in unseren Schulen sowie die Beschäftigten in den Rathäusern, die ebenfalls Enormes leisten. Und ich nenne bewusst die vielen Eltern, die in der extremen Doppelbelastung von Beruf und Betreuung ihrer Kinder bei Ausfall von Kita oder Schule manchmal nicht mehr wissen, wie sie das meistern sollen. Gott sei Dank gibt es viele verständnisvolle Arbeitgeber, die großes und nicht selbstverständliches Entgegenkommen zeigen.

Ich bin mir sicher, dass wir die Chance haben, die Krise zu meistern und am Ende sogar gestärkt daraus hervorgehen können, indem wir ganz im Sinne Gandhis heute das Richtige tun, um die Zukunft zu gestalten.

Ich wünsche Ihnen ein gesegnetes Weihnachtsfest, die nötige Zuversicht und ein gutes und hoffentlich gesundes Jahr 2021!

Ihr
Dirk Haarmann
Bürgermeister